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Weiterführende Infos Teil II

Das hier ist ein work in progress, der insb. zu Beginn aufgrund von andauernden technischen Problemen länger dauerte als geplant. Ich sammele hier im Laufe der Zeit weiterführende Informationen zu den in Teil II genannten Themen. Ich freue mich immer über Tipps und best practices – du hast was im Kopf? Dann melde dich gerne bei mir. 

(Außerdem: bei der Erstellung dieser Website habe ich in der Desktop-Variante mit "in-page Menüs" gearbeitet. Auf dem Desktop kann man also besser navigieren. Wenn du diese Seite gerade über dein Handy siehst, musst du ggfs. einfach ein bisschen mehr scrollen, siehst aber die gleichen Inhalte.

Zuletzt: Die Buchtitel sind klickbar)

Kolonialismus, Postkoloniamus, digitaler Kolonialismus und mehr

Kolonialismus: ist die auf auf [gewalttätigen] Erwerb und Ausbau von Kolonien gerichtete Politik unter dem Gesichtspunkt des wirtschaftlichen, militärischen und machtpolitischen Nutzens für das Mutterland bei gleichzeitiger politischer Unterdrückung und wirtschaftlicher Ausbeutung der abhängigen Völker. (Duden Definition)

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Kolonialismus bezeichnet die jahrhundertelange Praxis, in der europäische Mächte andere Regionen der Welt gewaltsam unterwarfen, deren Ressourcen ausbeuteten und deren gesellschaftliche Strukturen umformten. Er war ein politisches, wirtschaftliches und kulturelles Herrschaftssystem, das weit über territoriale Kontrolle hinausging: Es schrieb Menschen vor, was als wertvoll gilt, welches Wissen zählt und wie eine „zivilisierte Welt“ auszusehen habe. Auch wenn die formalen Kolonialreiche heute nicht mehr existieren, wirken ihre Folgen bis in unsere Gegenwart hinein – in globalen Machtverhältnissen, Handelsstrukturen, Bildung, Sprache und in der Art, wie wir wissen erzeugen und verstehen.

Postkolonialismus ist ein Forschungs- und Denkansatz, der untersucht, wie koloniale Strukturen, Vorstellungen und Machtverhältnisse auch nach dem Ende der formalen Kolonien fortbestehen. Er fragt, wie Ungleichheit entstanden ist, wie sie reproduziert wird und welche Stimmen in der globalen Wissensproduktion überhört wurden. Postkoloniales Denken lädt dazu ein, vertraute Weltbilder zu hinterfragen: Wer erzählt Geschichte? Wer definiert Fortschritt? Und welche Perspektiven fehlen? Es ist damit weniger ein Rückblick als ein Instrument, um die Gegenwart besser zu verstehen – und gerechter zu gestalten.

Digitaler Kolonialismus beschreibt die Machtkonzentrationen in der digitalen Welt, die an koloniale Muster erinnern: Große Technologieunternehmen schaffen Abhängigkeiten, kontrollieren zentrale Infrastrukturen, extrahieren Daten und setzen Standards, die ganze Gesellschaften prägen. Besonders Länder des Globalen Südens sind darauf angewiesen, diese Technologien zu nutzen, ohne die politischen oder wirtschaftlichen Bedingungen mitbestimmen zu können. Der Begriff macht sichtbar, dass die digitalen Räume, in denen wir uns bewegen, nicht neutral sind. Er hilft zu verstehen, wie Daten, Algorithmen und Plattformen globale Machtverhältnisse formen – und wie wichtig es ist, digitale Freiheit und Gerechtigkeit aktiv zu gestalten.

(aus künstlerischer Perspektive) Das postkoloniale Europa: Die große Bedeutung der Erinnerung | Kolonialismus | DW Doku Deutsch

re:publica 25: Ingo Dachwitz - Digitaler Kolonialismus

Weil's so schön ist hier noch ein kleines 1x1: Was heißt eigentlich?

  • Dekolonisierung – Prozesse, die koloniale Strukturen bewusst abbauen (in Politik, Sprache, Denken, Institutionen).

  • Epistemische Gewalt – wenn bestimmtes Wissen oder Perspektiven systematisch ausgeschlossen werden.

  • Epistemische Gerechtigkeit – sozusagen das Gegenstück: Wissen und Stimmen ernst nehmen, die lange überhört wurden.

  • White Saviorism – wenn westliche Akteur:innen anderen „helfen“, aber dabei eigene Machtstrukturen unbewusst fortschreiben.

  • Extraktivismus – das wirtschaftliche Muster, Rohstoffe, Arbeit oder Daten aus Regionen zu ziehen, ohne etwas Gleichwertiges zurückzugeben.

  • Globaler Norden / Globaler Süden – Begriffe, die weniger geografisch als strukturell beschreiben, wer global mehr Macht, Ressourcen und Handlungsspielraum hat.

  • Koloniale Kontinuitäten – sichtbare oder unsichtbare Fortsetzungen kolonialer Muster im Heute (z. B. in Handelsbeziehungen, Bildungssystemen oder Medien).

Neoliberalismus und andere "-ismen" 

Für alle, die es genauer wissen wollen in leicht zugänglicher Sprache.   

Liberalismus: Der Staat ist wie ein Schiedsrichter – er sorgt dafür, dass das Spiel fair bleibt. Er schützt Grundrechte, sorgt für gleiche Chancen und greift ein, wenn es nötig ist, um Ungerechtigkeiten zu verhindern. Ziel ist eine Balance zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung. 

Neoliberalismus: Der Staat ist auch hier ein Schiedsrichter – allerdings pfeift er viel weniger und lässt auch härtere Fouls mal durchgehen. Effizienz und Leistung sind in diesem Spiel sehr wichtig.  

Laissez-Faire: Steht übersetzt für “machen lassen”. Man lässt das Spiel also laufen, der Staat greif so wenig wie möglich ein. De facto sitzt der Staat hier auf der Zuschauertribüne. 

Libertarismus: Es gibt keinen Schiedsrichter – die Spieler regeln selbst, was fair ist. Der Staat soll sich nur um Polizei, Justiz und Militär kümmern. Alles andere – von Schulen über Krankenhäuser bis zu Straßen – soll privat organisiert werden. Klingt nach Freiheit, kann aber extreme Ungerechtigkeiten schaffen, weil nicht alle die gleichen Startbedingungen haben. 

Ordoliberalismus: Der Schiedsrichter hat nicht nur eine Pfeife, sondern sorgt auch dafür, dass die Regeln so gemacht werden, dass kein Spieler zu mächtig wird. Dieses deutsche Modell (bekannt durch die „soziale Marktwirtschaft“) will den Markt fair gestalten, aber der Staat greift ein, um Monopole zu verhindern und soziale Sicherheiten zu gewährleisten. 

Neoklassik: Der Schiedsrichter schaut nur auf den Punktestand und nicht darauf, wie das Spiel läuft. Er glaubt, dass alle Spieler rational spielen und jeder für sich das Beste herausholen will. Wenn jemand hinfällt oder schummelt, denkt der Schiedsrichter: „Das regeln die Spieler schon unter sich.“

Die Mont-Pelerin-Society und das Atlas-Netzwerk

Das Kapitel über die Mont Pèlerin Society gehörte inhaltlich zu den anspruchsvolleren Teilen meines Buches. Bei der Recherche und Ausarbeitung wurde ich von einem der renommiertesten Wissenschaftler auf dem Gebiet des Neoliberalismus und der Mont Pèlerin Society fachlich unterstützt. In den vergangenen Monaten habe ich mich weiterhin intensiv mit dem Thema befasst – eine differenzierte und faire Auseinandersetzung halte ich für wichtig, weshalb untenstehende Ressourcen in den kommenden Wochen weiter ergänzt werden. Im Folgenden finden sich weiterführende Quellen und Materialien, die verschiedene Perspektiven auf die Thematik eröffnen.

 

Aus Gründen der Transparenz möchte ich ergänzen, dass sich einzelne Passagen im Buch auf Recherchen der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ (Folge aus dem Jahr 2017) beziehen. Der zugehörige Faktencheck, auf den ich vereinzelt verweise, ist inzwischen nicht mehr online verfügbar (sollte man selbstständig auf die Idee kommen, auf Youtube danach zu suchen, wird man aber Stand Oktober 2025 fündig). Ich prüfe derzeit, welche Auswirkungen dies auf die Nachweise im Buch hat. Etwaige daraus resultierende notwendige inhaltliche Korrekturen werde ich in einer künftigen Auflage berücksichtigen – ich bitte um Verständnis.

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"The Road to Mont Pelerin: The Making of the Neoliberal Thought Collective" edited by Philip Mirowski und Dieter Plehwe

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"Never Let a Serious Crisis Go to Waste: How Neoliberalism Survived the Financial Meltdown",

Philip Mirowski 

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"Die Schock Strategie: Der Aufstieg des Katastrophenkapitalismus", Naomi Klein

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"Kritik des Neoliberalismus", Christoph Butterwegge, Bettina Lösch, Ralf Ptak

Fear the Boom and Bust: Keynes vs. Hayek - The Original Economics Rap Battle!

Ist jetzt also alles "schlecht" was irgendwie mit Liberalismus zu tun hat? 

Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil. Von der Wortbedeutung her sind vermutlich sehr viele von uns sehr liberal. In einer funktionierenden Demokratie brauchen wir Meinungsvielfalt und mehr Perspektiven sind meistens sehr bereichernd, dazu gehören auch liberale oder gar neoliberale Meinungen und Perspektiven. Das Problem kommt dann, sobald sich Dinge stark konzentrieren, also in wenigen Händen ansammeln. Sei es Geld, Macht oder Eigentum. Und insbesondere der Neoliberalismus ist sehr gut in der Konzentration von Dingen in wenigen Händen. 

 

Es gab in den letzten Jahrzehnten auch immer wieder und kontinuierlich positive Entwicklungen; auch auf der politischen Mainstage und entgegen des neoliberalen Trends. 

Die rot-grüne Bundesregierung stellte in den 90ern Jahren wichtige Weichen, die gegen eine reine Marktorientierung wirkten. Ein Beispiel ist der Atomausstieg, der im Jahr 2000 beschlossen wurde oder die Festlegung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), womit ein zentraler Baustein für die folgende Energiewende gelegt wurde. Ein Gesetz, das den Ausbau von Wind- und Solarenergie erst im großen Stil möglich gemacht hat. 

Auch in anderen Bereichen gab es bewusst gesetzte Modernisierungsschritte. Dazu gehörten umfassende Reformen im Arbeitsmarkt- und Sozialbereich, die Beschäftigung fördern und soziale Sicherungssysteme stabilisieren sollten. Man kann über viele dieser Maßnahmen streiten – und es wurde viel gestritten –, aber sie zeigen: Politik ist nie eindimensional. Neben Phasen starker Marktgläubigkeit gab es immer auch Momente, in denen ökologische, soziale und langfristige Überlegungen im Vordergrund standen.

Weitere Informationen und Ressourcen folgen.

Eine ist klar: Diese Themen sind viel zu groß, um sie auf einer Unterseite auch nur annähernd aufzubereiten. Kapitalismus, Finanzmärkte, Geldschöpfung, Ungleichheit – das sind Felder, über die ganze Bibliotheken geschrieben wurden. Hier geht es also nicht darum, irgendetwas abschließend zu erklären, sondern einen Einstieg zu öffnen. Ich sammle auf dieser Seite Materialien, die mir selbst geholfen haben oder die von Menschen stammen, deren Arbeit ich für besonders kompetent halte. Es ist eine kleine Auswahl, kein Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn du dich weiter damit beschäftigst, wirst du schnell merken, wie weit dieses Thema verzweigt; historisch, politisch, kulturell.

Generelle Empfehlung: YouTube Kanal "Geld für die Welt" von Maurice Höfgen

"The Deficit Myth" Stephanie Kelton

"How the Economic Machine Works" Ray Dalio 

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"Eine kurze Geschichte der Gleichheit" Thomas Piketty

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"Mission Economy" Mariana Mazzucato

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"23 Dinge, die man uns über den Kapitalismus nicht erzählt" Ha-Joon Chang 

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"Der Defizit-Mythos" Stephanie Kelton

Club of Rome (2023): From financing change to changing fincance.

Falls du lieber klassisch lernst, könnte Kapitel 6 aus "Regenerative Economics" passen. 

Oder hier gleich komplette Mikro- und Makroökonomik Vol 2.0 (selbst noch nicht komplett durchgearbeitet)

Kapitalismus und Finanzsystem 101 

Zugegeben: Das hier ist vermutlich mein Lieblingsthema. Über's BIP habe ich meine Masterarbeit geschrieben und die Auseinandersetzung mit dem Wirtschaftswachstum finde ich super spannend – auch, weil es so unfassbar schnell geschieht, dass man in eine bestimmte Schublade gepackt wird. Und wenn Menschen wirklich so gar nicht gerne über ein Thema sprechen, dann sollte man doch mal genauer hinsehen oder etwa nicht? 

Wenn du dich noch überhaupt nicht mit dem BIP und der Wachstumsfrage auseinandergesetzt hast, dann empfehle ich zuerst mein Buch ;) Und wenn du dann neugierig bist und zwei Vertretern zuhören möchtest von Green Growth und Degrowth, dann guck dir diese Diskussion an: 

How to Save the Planet: Degrowth vs Green Growth?

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"Unsere Welt neu denken" Maja Göpel

pl.avif

"The Power of a Single Number: A political history of GDP" Philipp Lepenies 

dc.avif

"GDP: A brief but affectionate history" Diance Coyle 

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"Wohlstand ohne Wachstum" Tim Jackson 

Das Bruttoinlandsprodukt und (Wirtschafts)wachstum

Halt, aber: Wenn sich so große Teile der Wissenschaft zumindest einig darüber sind, dass das BIP kein ausreichendes Maß mehr ist, um Wohlstand innerhalb von planetaren Grenzen im 21. Jahrhundert zu messen, warum nehmen wir dann nicht was anderes? Hier ein Einstieg.

Über die Überwindung der Lock-In-Effekte vom BIP (ZOE Institute for future-fit economies, 2023)

Über das Problem der schieren Anzahl alternativer Indikatoren (Costanza et al. 2025 in nature)

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