Weiterführende Infos Teil IV
Das hier ist ein work in progress, der insb. zu Beginn aufgrund von andauernden technischen Problemen länger dauerte als geplant. Ich sammele hier im Laufe der Zeit weiterführende Informationen zu den in Teil IV genannten Themen. Ich freue mich immer über Tipps und best practices – du hast was im Kopf? Dann melde dich gerne bei mir.
(Außerdem: bei der Erstellung dieser Website habe ich in der Desktop-Variante mit "in-page Menüs" gearbeitet. Auf dem Desktop kann man also besser navigieren. Wenn du diese Seite gerade über dein Handy siehst, musst du ggfs. einfach ein bisschen mehr scrollen, siehst aber die gleichen Inhalte.
Zuletzt: Die Buchtitel sind klickbar)
Vertiefende Informationen zum Thema Vertikale Ich-Entwicklung
Disclaimer
Bevor wir tiefer einsteigen: Vertikale Ich-Entwicklung beschreibt keine Ego-Optimierung, keine Leistungssteigerung und keine „höher ist besser“-Logik. Es geht nicht darum, Menschen in Kategorien einzuteilen oder Stufen als Werturteil zu verwenden. Vertikale Entwicklung beschäftigt sich damit, aus welchem Bewusstsein heraus Menschen die Welt wahrnehmen, wie sie Komplexität verarbeiten und wie ihr inneres Weltbild sich über die Lebensspanne entwickeln kann. Diese Modelle sind Landkarten, keine Hierarchien – sie beschreiben Orientierung, nicht Identität, und sie ersetzen weder Psychotherapie noch Persönlichkeitsdiagnostik. Die hier dargestellten Schalen ("E-Stufen" nach Kegan, Cook-Greuter, Loevinger u. a.) sind vereinfacht und humorvoll aufbereitet, um leichter zugänglich zu sein. Sie bilden echte Entwicklungsprozesse nur grob ab und sind wissenschaftlich weiterhin im Austausch.
Die folgenden Steckbriefe sollen dir spielerisch, anschaulich und unverbindlich einen Eindruck geben, wie die Stufen aussehen können – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wissenschaftliche Präzision oder Diagnostik. Entwicklung verläuft nie linear, Menschen wechseln zwischen Stufen, und jede Stufe besitzt eigene Würde, Stärken und Herausforderungen.
Ein großes Dankeschön geht an Marion Quaas-Reinhard, die ich stundenlang zu dem Thema interviewen durfte. Danke für dein offenes Herz und deine weisen Worte seit Mai 2023 <3.
Schale 1: Babies, symbiotische Stufe (oder auch: das menschliche Würmchen)
Alter: 0-1
So charakterisieren mich andere: Essen, Wärme, Nähe. Ich bin meine Bedürfnisse und die Verkörperung von „Ich denke nicht, aber bin trotzdem“. Ich existiere, ohne mich als getrenntes Wesen wahrzunehmen. Ich kann mit einem einzigen Schrei eine ganze Familie in Bewegung setzen. Meine bloße Existenz ruft Fürsorge hervor. Hunger oder Bezugsperson weg = Weltuntergang.
Mein Umgang mit Wirtschaftstransformation: Wirtschaft kenne ich nicht aber ich will Beständigkeit und gehalten werden! Gib mir genug Milch, Liebe und Schlaf!
Meine Haltung zu dem Thema in einer Talkshow: „Wääähh!“
Schale 2: Der/die Impulsive (oder auch: Die Weltentdecker:innen, die „Jetzt oder nie!“-Fraktion)
Alter: 1-4 (x% der Erwachsenen)
So charakterisieren mich andere: Ich will Dinge SOFORT. Meine Impulse bestimmen mein Handeln, und was ich nicht haben kann, wird lautstark eingefordert. Außerdem: Magie! Der Mond verfolgt mich! Wenn ich die Augen schließe, bin ich unsichtbar! Ich kann aus dem Nichts eine Krise entfesseln, wenn ich keine zweite Kugel Eis bekomme. Impulskontrolle? Fehlanzeige. Ich kann noch nicht abstrakt denken, dafür aber sehr laut fühlen. Und: Ich will die Welt entdecken! Meine Füße sind das spannendste der Welt! Aber: Ich muss lernen, dass “jetzt sofort!” nicht immer möglich ist.
Mein Umgang mit Wirtschaftstransformation: Ich kenne nur meine direkte Umgebung. Für mich gilt: Ausprobieren, entdecken, experimentieren!
Meine Haltung zu dem Thema in einer Talkshow: Die Krawatte von dem Mann in der ersten Reihe ist ja interessant! Auf direkte Fragen antworten? Guck mal, wie groß die Kamera ist!
Schale 3: Die Selbstorientierten (oder auch: Die kleine Egoistin, der clevere Manipulator, die „Ich lerne mich kennen“-Fraktion)
Alter: spätestens ab 5; ca. 5-7% der Erwachsenen
So charakterisieren mich andere: Ich entdecke meinen eigenen Willen – und will wissen, wie weit ich gehen kann. Regeln? Nur, wenn sie mir nutzen. Ich frage in jeder Beziehung: „Was bringt mir das?“ Ich bin extrem lernfähig – aber nur, wenn ich einen persönlichen Vorteil sehe. Was ich (noch) nicht gut kann: mich in andere hineinversetzen, Empathie, echtes Miteinander. Ich sehe andere eher als Mittel zum Zweck. Moral? Eher optional. Wenn ich jemanden ärgere, höre ich nicht aus Empathie auf, sondern weil mir sonst eine Strafe droht.
Mein Umgang mit Wirtschaftstransformation: Solange ich gewinne, ist Transformation super. Freiwillig teilen? Warum das denn? Wachstum heißt: mehr für mich – klingt gut. Vertrauen ist riskant, Schwäche zeigen gefährlich.
Meine Haltung zu dem Thema in einer Talkshow: „Irgendwelche Sätze“ Ich sage auf keinen Fall die Wahrheit; es muss mir nützen. Ich bin opportunistisch.
Schale 4: Die Gruppenspieler:innen (oder auch: Die Teamplayer, die „Was sagen und denken die anderen?“-Fraktion)
Alter: ab ca. 8, ca. 10-12% der Erwachsenen
So charakterisieren mich andere: Zugehörigkeit ist mir heilig – ob Familie, Clique oder Fußballclub. Ich bin empathisch, kann mich gut in andere einfühlen und halte Gruppen zusammen. Regeln finde ich wichtig und gut. Aber nicht so wichtig wie dazuzugehören – beim Schwimmbadeinbruch wäre ich dabei, wenn sonst meinen Status in der Gruppe gefährdet ist (Gruppenzugehörigkeit vs Regeln – ein riesiges Dilemma!). Was ich nicht so gut kann: meine eigenen Bedürfnisse von den Erwartungen der Gruppe unterscheiden. Ich orientiere mich stark daran, was „man“ macht. Fremdes wirkt auf mich oft bedrohlich, andersdenken wie ein Regelbruch.
Mein Umgang mit Wirtschaftstransformation: Ich will, dass meine Routinen (mit der Gruppe) funktionieren. Veränderung? Wenn es mein Leben zu sehr durcheinanderwirbelt, bin ich raus. Alles, was nach Verzicht klingt, ist eher schwierig. Besonders, wenn mein Freundeskreis das nicht mitträgt. Ich will, dass es meiner Gruppe gutgeht und wir nicht hinter einen einmal erreichten Lebensstandard zurückfallen. Vor allem, wenn ich dann im Vergleich zu einer anderen Gruppe (den Nachbarn, den Arbeitskolleg:innen, anderen Parteien) schlechter dastehe.
Meine Haltung zu dem Thema in einer Talkshow: Ich würde das sagen, was der Moderatorin gefällt bzw. wofür ich einen Applaus vom Publikum erwarten. Als Politiker verstecke ich mich hinter den Parteinormen. (So gesehen könnte man unser gesamtes Parteiensystem als ein E4-System bezeichnen, wenn das gemacht wird, wo man den größten Wähler:innen Zuspruch erhofft)
Schale 5: Die Expert:innen (oder auch: Die Logiker, die Fakten-Fans, die „Ich habe das recherchiert“-Fraktion)
Alter: ab ca. 15, ca. 37-45% der Erwachsenen
So charakterisieren mich andere: Bei mir dreht sich alles um Expertise und Wissen. Ich sammle viele Abzeichen, strebe nach den besten Abschlüssen und bin ein bisschen das, was man CV-Optimierer:innen nennt. Ich habe mich von der Gruppenzugehörigkeit der vorherigen Entwicklungsstufe gelöst, aber das „Wer bin ich?“ beantworte ich jetzt über Expertise: Ich bin, was ich kann. Oder auch: Ich bin, wofür ich anerkannt werde. Mein Rückgrat ist (noch) nicht mein innerer Kompass, sondern mein Lebenslauf. Hauptsache, ich bin überdurchschnittlich gut! Dadurch bringe ich Innovation hervor – Wissenschaft ist der neue Kompass, Rationalität das Gebot der Stunde. Ich analysiere die Welt und – ganz wichtig – unterteile in richtig oder falsch. Ich kann mich tief in ein Thema eingraben, werde zur Fachperson. Egal ob Klimakrise, Aerodynamik oder die perfekte Sauerteigführung – wenn ich mich reinknie, dann richtig. Aber: Durch meine Art, bleibt Empathie manchmal auf der Strecke. Emotionale Argumente sind für mich eher schwierig. Außerdem bin ich manchmal so tief in meiner Expertenrolle drin, dass ich den Blick fürs große Ganze verliere. Und: Wer nicht auf meiner Wellenlänge denkt, wird schnell mal als „ahnungslos“ abgestempelt. Kooperation ist manchmal schwer – weil ich mich durchsetzen will.
Mein Umgang mit Wirtschaftstransformation: Falls ich als Person die Macken des Status quo anerkenne, dann würde ich sagen braucht es halt mehr Expert:innen, dann entwickeln wir effiziente Lösungen. Visionen mit unklaren Umsetzungsplänen machen mich nervös. Der 20-Jahre Plan muss rational durchleuchtet sein. Regeln für Unternehmen ändern? Ja, wenn es effizient ist und die Wettbewerbsfähigkeit nicht einschränkt. Weitere Indikatoren neben dem BIP? Okay, aber dann zeig mir die belastbaren und wissenschaftlich fundierten Alternativen.
Meine Haltung dazu in einer Talkshow: „Die Datenlage zeigt ganz klar, dass Co2-Deckelung funktioniert. Wenn Sie mir erlauben, das kurz grafisch zu erläutern…“ Ich spreche über meine Expertise und scheue mich auch nicht davor zu betonen, warum man mich eingeladen hat und warum meine Expertise die richtige ist. Ich bin eher Typ Debatte statt Dialog.
Schale 6: Die Selbst-autor:innen (oder auch: Die Selbstbestimmten, die „Selbst ist die Frau / der Mann“-Crew, die „ich habe meine eigene Vision“-Fraktion)
Alter: ab ca. 20, ca 30-35% der Erwachsenen
So charakterisieren mich andere: Ich bestimme mein eigenes Leben und bin das Idealbild der westlichen Gesellschaft: Selbstbestimmt, eigenen Prinzipien, Zielen und vor allem Werten folgend, auf die ich fokussiert hinarbeite. Meine Werte habe ich bewusst gewählt! Verantwortung für mich? Oh ja! Verantwortung für die Gesellschaft? Ebenfalls. Ich bin kein Fähnchen im Wind, ich weiß, wofür ich stehe. Ich kann mir mein eigenes Weltbild bauen, ohne dass mir andere vorschreiben, wie ich zu denken habe. Ich stecke voller Eigenmotivation, ziehe meine Projekte durch und lasse mich nicht so leicht beirren. Ich bin der:die CEO meines eigenen Lebens. Herausforderungen? Ich analysiere, entwickle Lösungen und bringe Dinge ins Rollen. Ich habe den Blick fürs große Ganze, kann langfristig denken und bin nicht mehr so gefangen in kurzfristigen Status- und Zugehörigkeitszwängen. Heimlich halte ich mich schon für ein bisschen toll.
Aber: Weil ich meine Überzeugungen bewusst gewählt habe, neige ich dazu, sie für absolut zu halten. Ich kann schwer nachvollziehen, warum andere Menschen nicht ebenso ziel- und impactorientiert oder eigenständig sind. Leute, die Dinge nicht aus klarem innerem Antrieb heraus machen, möchte ich coachen. Auch bin ich in meiner Lösungsorientierung manchmal zu schnell unterwegs. Ich will eine Antwort, bevor ich die Komplexität ausgehalten habe. Dadurch fällt es mir auch schwer, andere Perspektiven wirklich zuzulassen (und mit ihnen zu arbeiten); offen zu sein gegenüber der Möglichkeit, dass andere Lebensentwürfe gut sein können, auch wenn sie nicht wie der eigene aussehen.
Und: Ich bin Teil einer Generation, die alles kann – aber auch alles gleichzeitig sein soll: perfekte:r, sexy Freund:in, Karrierefrau, politischer Aktivist (aber nicht zu extrem), mit geregeltem Nervensystem und ambitionierter Vision. Willkommen in der Selbstoptimierungsillusion. Ich will raus aus der Anpassung – lande aber oft in einem neuen Hamsterrad aus Selbstverwirklichungsdruck. Außerdem darf ich noch lernen, dass ich nicht alles allein lösen muss (Weltrettungssyndrom; die einsame Führungskraft) und akzeptieren, dass nicht alles kontrollierbar ist.
Mein Umgang mit Wirtschaftstransformation: Ich sehe die Schwächen des Status quo und will an Lösungen arbeiten – aber bitte strukturiert und wirksam. Transformation muss mehr sein als gut gemeint. Mir ist wichtig, dass ich meinen Beitrag sehen kann und auch etwas davon habe (sozial, finanziell oder anderswie). Dadurch, dass ich (im besten Fall) meine E4 gut integriert habt, bin ich gut darin andere Gruppe durch die Transformation zu führen und zu empowern.
Meine Haltung dazu in einer Talkshow: Ich werde ernstgenommen, respektiert und bin auch ehrlich an meinem Gegenüber interessiert. Deswegen kann ich mehr als Debatte – ich kann echten Dialog!
Schale 7: Die Weitsichtigen (oder auch: Der Multiperspektivische, die Sinnsucherin, die „Es gibt nicht nur eine Wahrheit“-Fraktion)
Alter: Wenn, dann so ab ca. 30; ca. 5-10% der Erwachsenen
So charakterisieren mich andere: Ich sehe verschiedene Perspektiven und kann akzeptieren, dass mehrere Meinungen nebeneinander existieren können. Vieles, was ich bisher für absolut gehalten habe, ist plötzlich gar nicht mehr so eindeutig. Ich bin auf der Suche nach Sinn, hinterfrage bestehende Systeme und denke: „Moment mal, wer hat eigentlich beschlossen, dass das so sein muss, wie es ist?” Ich kann mich in völlig unterschiedliche Menschen einfühlen, ohne ihre Ansichten teilen zu müssen. Wo andere Schwarz-Weiß denken, sehe ich Grautöne. Oder besser gesagt: Ein ganzes Regenbogenspektrum.
Aber: Manchmal bin ich so begeistert von den vielen Perspektiven, dass ich ein wenig die Orientierung verlieren kann. Ich bin dann so damit beschäftigt, alle Seiten zu verstehen, dass ich meinen eigenen Orientierungspunkt nicht aus den Augen verlieren darf. Und dieses „Es gibt verschiedene Perspektiven“-Denken ist zwar cool – aber wofür will ich mich wirklich einsetzen? Purpose ist mein größtes Thema.
Mein Umgang mit Wirtschaftstransformation: Ich sehe Transformation als einen offenen, dynamischen Prozess – nicht als Top-down-Masterplan. Veränderungen dürfen auch aus der Mitte oder von unten entstehen. Ich bin offen für neue Denkansätze und kann gut mit Unsicherheit und Komplexität umgehen. Statt auf Kontrolle setze ich auf Beteiligung, statt auf eine große Lösung auf gemeinsames Ausprobieren. Brücken bauen ist mir wichtiger als Recht haben, genauso wie das Mitnehmen von Menschen.
Meine Haltung dazu in einer Talkshow: “Lasst uns erstmal verstehen, was, wie und warum die anderen so denken. Es gibt nicht die eine Lösung. Last uns Räume schaffen, verschiedene Ansätze ausprobieren, gucken was funktioniert und dann skalieren.” Im Idealfall bin ich der Talkmaster.
Schale 8: Die Architekt:innen des Wandels (oder auch: Die Transformationswegbereiter:innen, die „Lasst uns ein neues WIE in die Welt bringen“-Fraktion)
Alter: selten vor 35-40, wenn dann nach tiefgehender Erfahrung mit Komplexität; ca. 1-5% der Erwachsenen
So charakterisieren mich andere: Ich habe erkannt, dass die Welt nicht aus getrennten Einheiten besteht, sondern alles in Wechselwirkung zueinandersteht. Menschen, Organisationen, Gesellschaften – alles ist vernetzt. Und wenn ich das verstehe, kann ich bewusst Einfluss darauf nehmen. Ich kann Brücken bauen, wo andere nur Gräben sehen. Ich kann Menschen mit völlig gegensätzlichen Weltbildern zusammenbringen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Ich kann Widersprüche aushalten, Perspektiven integrieren und nachhaltige Veränderungen vorantreiben – mit Geduld, Klarheit und Vertrauen. Aber: Weil ich so sehr im großen Ganzen denke, kann ich manchmal den Fokus auf den nächsten konkreten Schritt verlieren (dafür habe ich jemanden ins Team geholt, der oder die diesen Fokus hat).
Mein Umgang mit Wirtschaftstransformation: Die zentrale Frage: Wie schaffen wir Strukturen, die Menschlichkeit und Systemwandel gleichzeitig ermöglichen? Je nachdem, was es gerade braucht, kann ich beraten, die Zügel übernehmen oder loslassen – ich kann Rollen wechseln und verschiedene Perspektiven integrieren. Für mich gehören inneres Wachstum und gesellschaftliche Veränderung zusammen; das eine funktioniert nicht ohne das andere.
Meine Haltung dazu in einer Talkshow: „Wirtschaft ist kein Naturgesetz – sie ist menschengemacht. Also können wir sie auch weiterentwickeln. Was es braucht, ist ein Raum für Menschen, die Gegensätze nicht bekämpfen, sondern in Lösungen umwandeln. Und ich kann solche Räume mit den richtigen Menschen gestalten.“
Achtung: Ab hier wird es abstrakt!
Während E8 noch verhältnismäßig strategisch nachvollziehbar und systemisch arbeitet wird es jetzt wirklich (für die allermeisten von uns) schwerer vorstellbar. Denn ab E9 geht es nicht mehr um die Frage, wie wir Wandel gestalten – sondern, wer wir eigentlich sind, während Wandel geschieht. E9 und E10 sind schwieriger zu erforschen, weil nur wenige Menschen diese Bewusstseinsstufen überhaupt erreichen.
Stell dir vor, du sitzt mit dem Dalai Lama in einem Raum. Er leitet einen inneren Reflektionsraum an und irgendetwas in der Luft verändert sich. Allein das hat eine Wirkung auf dich. Genau das beschreiben E9 und E10: Eine Wirkung, die nicht aus Handeln entsteht, sondern aus Sein.
Und ja – das betrifft auch Wirtschaft. Denn während E6 noch fragt: „Wie überzeuge ich andere von meiner Lösung?“, fragt E9: „Wie halte und gestalte ich einen Raum, in dem Menschen sich so entwickeln, dass das Neue durch sie in die Welt kommt und Systeme sich so verändern, dass eine lebenswerte Zukunft entsteht?“
Schale 9/10: Die Weisen & Fließenden (oder auch: Die Raumhalter:in, der Buddha im Großraumbüro)
Alter: Ab 40+, sehr selten; ca. 2% der Erwachsenen
So charakterisieren mich andere: Ich bin ruhig, klar, präsent. Ich halte Räume, in denen Veränderung einfach passiert. Ich sehe das Ganze und bin verbunden mit dem, was ist. Wen ich jemand anderen begleite, dann sehe ich auch immer, was das mit mir zu tun hat. Ich kann alle anderen Stufen gut “ansurfen” und mit ihnen auf Augenhöhe arbeiten. Ich werte nicht.
Mein Umgang mit Wirtschaftstransformation: Wirtschaft ist nur ein Ausdruck unseres kollektiven Bewusstseins. Wenn sich das verändert, verändert sich alles andere mit. Wirklicher Wandel beginnt in der Tiefe.
So spreche ich in einer Talkshow darüber: „In der Ruhe liegt die Kraft.“
Du willst dich selbst weiterentwickeln?
Du bist ein Mensch zwischen 18-35 Jahren und möchtest dich weiterentwickeln? Beim gamechanger-Programm habe ich selbst bereits 3x mitgemacht und kann von ganzem Herzen empfehlen (ich kriege hierfür keine Provision ;)).
Du stehst bereits im Berufsleben und möchtest dich vertieft mit den oben genannten Inhalten / Steckbriefen auseinandersetzen? Das Beyond Now ist das "Gamechanger-Folgeprogramm". Ich selbst habe es noch nicht gemacht aber kenne die Menschen und die Organisation dahinter sehr gut.
Es gibt sehr viele Programme da draußen, die sich mit den Themen persönlicher Weiterentwicklung beschäftige. Da diese aber oft kostspielig sind und der Begriff "Coaching" nicht geschützt ist, empfehle ich hier nur Programme, die ich selbst gemacht habe oder wo ich die Hintergründe gut kenne. Ggfs. werde ich hier um weitere Programme erweitern.
organisationsentwicklung 101
Wenn wir über Organisationsentwicklung sprechen, geht es im Grunde um eine einfache Frage: Wie wollen wir miteinander arbeiten, damit es am Ende uns gut geht und dem Planeten und anderen Menschen auch? Manche Menschen beschreiben das mit Landkarten, andere mit Farben, wieder andere mit Entwicklungswegen. Wer über mein Buch hier gelandet ist, weiß, dass ich dort Frederic Laloux vorgestellt habe – natürlich gibt es aber noch ein paar weitere Modelle (auch hier nur eine Auswahl); gerne die Begriffe auch googlen oder youtuben, da gibt es interessante Erklärungen.
Frederic Laloux beschreibt in Reinventing Organizations, wie Organisationen sich im Laufe der Zeit entwickeln können von streng hierarchisch bis hin zu Strukturen, in denen Menschen sich selbst führen, Verantwortung teilen und Sinn nicht als Nebenbedingung, sondern als Grundlage verstehen.
Spiral Dynamics ist eine Wertelandkarte, die erklärt, warum ganze Gruppen und Organisationen so unterschiedlich handeln. Sie zeigt, wie sich Weltbilder verändern können; ebenfalls nicht als Bewertung, sondern als Hinweis darauf, aus welchem (kollektiven) Bewusstsein heraus Entscheidungen entstehen.
Und schließlich gibt es Theory U von Otto Scharmer – ein Ansatz, der beschreibt, wie Transformation gelingt, wenn wir innehalten, zuhören und aus einem tieferen Verständnis heraus handeln, statt alte Muster fortzuschreiben.
Organisationsentwicklung – selber machen
Wenn man selbst tätig werden und die eigene Organisation, das eigene Unternehmen transformieren möchte, sind Bücher natürlich toll und schön. Kaum etwas ersetzt dann allerdings das echte Erfahren, das eigene Ausprobieren und durchleben. Auch dafür gibt es natürlich eine Menge Programme. Zwei, die ich selbst gemacht habe und daher empfehlen kann sind diese beiden.

Die Changemaker-Akademie der Critical Friends,
bei denen ich selbst Fellow bin.

Die Akademie für Transformationsdesign unter der Leitung des fantastischen Sven Stegemann.
collective Action101
Eigentlich wissen wir das: Als Menschheit stehen wir heute da, wo wir stehen (also im positiven Sinne), weil wir miteinander arbeiten können. Weil wir zusammenarbeiten können, im kollektiv. Kollektiv zusammenarbeiten, mit Blick auf ein gemeinsames Ziel, das meint "Collective Action". Ich selbst bin seit Oktober 2024 bei ProjectTogether angestellt, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Berlin, die sich der collective action verschrieben hat. Weil hier aber Beispiele besser wirken als viel Theorie, habe ich im folgenden zwei World Economic Forum Reporte verlinkt, die best practices aufzeigen (ProjectTogether wird hier ebenfalls ausgezeichnet).
WEF (2025): The Future is Collective: Advancing Collective Social Innovation to Address Society’s Biggest Challenges
WEF (2024): How to successfully orchestrate collective action


